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"I am going, I am going, where streams of whiskey are flowing!" Mit diesem Schlachtruf trommelten Shane MacGowan und die Popes ihre Fans zu ihrem diesjaehrigen Weihnachtskonzert im Astoria in Soho zusammen. Viele von ihnen waren von weither angereist, da der Meister in diesem Jahr aus gesundheitlichen Gruenden nur fuenfmal auftreten konnte, doch alle haben etwas gemeinsam: den festen Vorsatz zu feiern, zu trinken und jede Menge Spass zu haben!
Eine guinness-selige Atmosphaere macht sich breit, gemischt mit einer grossen Portion Erwartungshaltung - aber bloss nicht zu viel, da man weiss, dass MacGowans Konzerte, vor allem zu den alten Pogues-Zeiten, oft wie ein Griff in die Wundertuete waren: man wusste nie, was man bekam! Auch wenn sich das in den letzten Jahren erheblich gebessert hat, die Erinnerung bleibt und ist Grund genug, erst dann erleichtert zu sein, wenn er gutgelaunt und optisch okay die Buehne betritt.
Und genau das tut er an diesem Abend und geht mit seinem alten Pogues-Klassiker "If I Should Fall From Grace With God" sofort in die Vollen. Gefolgt vom rasanten "Donegal Express", gibt er danach mit "Paddy Rolling Stone" und dem kontroversen, da angeblich IRA-freundlichem "Paddy Public Enemy Number One" die ersten beiden Kostproben seines im neuen Jahr erscheinenden Albums. Den naechsten Song "Boys From The County Hell" widmet er seinem Anfang November verstorbenen Freund und ehemaligem Pogues-Buehnenmanager Charlie MacLennan.
Nach einem weiteren neuen Song "Rock'n'Roll Paddy" wird es dann etwas leiser, denn Shane ueberrascht uns mit einem hinreissenden Soulsong "Lonesome Highway". Die Art und Weise, wie er den Song rueberbringt, vermittelt einem den Eindruck, als ob er tatsaechlich der einsamste Mensch unter der Sonne ist. Doch bevor es dem Publikum das Wasser in die Augen treibt und die Emotionen ueberschwappen laesst, bringen die Popes ein Instrumental-Medley, bei welchem sie beweisen koennen, was in ihnen steckt - und das ist eine ganze Menge!
Sie werden oft mit einem negativen Unterton als Shanes "backing band" bezeichnet, was ihnen jedoch nicht gerecht wird, da sie allesamt exzellente Musiker sind. Schade nur, dass der Banjospieler Tom MacAnimal nie so richtig die Gelegenheit bekommt zu zeigen, welch begnadetes Talent er besitzt. Das Banjo geht manchmal im kraftvollen Sound unter.
Einen weiteren Hoehepunkt erleben wir mit dem ebenfalls neuen Song "Ceilidh Cowboy", der einem, diesesmal aber vor Lachen, das Wasser in die Augen treibt. Ob beabsichtigt oder nicht (das weiss keiner so genau), erscheint er wie eine Persiflage auf die gesamte US-Country-Musik. Da steht er, dieser baumlange Shane MacGowan und heult den Mond an, wie ein einsamer Praeriewolf. Alleine schon fuer diese schauspielerische Darbietung haette sich dieser Konzertbesuch gelohnt.
Nach dem fetzigen "Jukebox" kommen die ehemaligen Pogues-Fans auf ihre Kosten, denn er bringt neben "Streams Of Whiskey", "The Body Of An American", "Sally MacLennane" und "Sick Bed Of Cuchullain" auch das wunderschoene "Broad Majestic Shannon" mit einem stimmungsvollen Intro des kleinen Fiddlers John Myers. Als vorerst letzten Song hoeren wir "The Irish Rover", welchen Shane mit den Worten "Der ist fuer Ronnie Drew" (ehemaliger Saenger der Dubliners) ankuendigt. Dabei imitiert er Ronnies Stimme haargenau und hat die Lacher wieder auf seiner Seite.
Als Zugabe praesentieren uns Shane MacGowan und die Popes den Titelsong ihrer neuen 4-Track "Christmas Party EP", "Christmas Lullaby", ein sehr stimmungsvolles Lied, welches daran erinnern soll, dass nicht alle Kinder auf der Welt friedliche und froehliche Weihnachten verbringen koennen. Danach das Lied zum Mitsingen schlechthin: "Dirty Old Town", gefolgt von "Bottle Of Smoke".
Beim allerletzten Song "South Australia" scheinen sowohl Shane als auch die Band ihre letzten Energien ins Publikum zu schleudern, denn er ist nicht nur unglaublich rasant, sondern auch noch ueberlang.
Fazit: Shane MacGowan ist ein Kuenstler, der entweder geliebt oder gehasst wird - dazwischen scheint es nichts zu geben. Und da die Leute, die ihn hassen, nicht zu seinen Konzerten gehen, haben die anderen um so mehr Spass mit ihm, der Band und allen Gleichgesinnten.