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Source: Unknown East-German music magazine
Date: 1990
Author: Frank Zappe
Contributor: Ingrid Knetsch

The Pogues - Interview with Spider

Die Pogues entwickeln sich zum Zuschaermagneten. Punk, Skin, Hippie, Hools - für knapp andertalb Stunden finden sie einen gemeinsamen Nenner. Der Saal tobt, selbst wenn der alte Schwung der Gruppe nicht mehr innewohnt. Die nach Tausenden zu zählenden Konzertbesucher sorgen dafür, daß man die eher einen intimeren Rahmen verlangende Athmosphäre der Konzerte gründlich stört, auch wenn die Pogues selber dies nicht whrhaben wollen. Ad astra per aspera. Generell gilt: In Eissporthallen (wie in Berlin) sollte man Eissport treiben, sie heißen schließlich nicht umsonst so. In einer Umkleidekabine sprach Frank Zappe mit Spider, dem Flötisten, denn schließlich gibt es immer noch eine Menge Punkte, die das Publikum mit ihren Folk-Punk-Göttern verbinden. Der Ruch des Chaos, der ihnen anhaftet, und ganz konkret der Geruch von Alkohol. Dementsprechend das Interview: Von Thailand geht es nach Deutschland, zur Politik über den Alkohol. Es geht um Finnen, Russen und Ledermäntel, um Grace Jones, ***. Und natürlich um die Frage nach den Konzerten im Osten. Wo waren sie im Zeitraum vom 8.5.1945 morgens bis zum 9.11.1989 gegen 15.00 Uhr? Nun reden Sie schon!

Sp: Wir werden auch mal auf der anderen Seite spielen. Aber es gibt keine andere Seite mehr. Es ware schön gewesen, mal dort drüben zu spielen und nicht immer nur hier.

MESS: Habt ihr mal eine Tour durch den Osten erwogen ?

Sp: Ja schon, aber es war bis zum letzten Jahr schwer durchführbar im Osten zu touren. Um im alten Ostdeutschland zu beginnen, kein Geld, das du dort gekriegt hast, konntest du aus dem Land nehmen, sondern es mußte da ausgegeben werden. Wir mußten all das überlegen. Es wäre schön zu sagen :Ja wir gehen da hin und so...Ostberlin, Magdeburg, Budapest, aber du mußt den praktischen Aspekt bedenken.

MESS: Auf eurer neuen LP ist viel von Asien die Rede. Ein neuer Einfluß?

Sp: Wir haben in Japan ein paar mal gespielt Shane ist im Urlaub in Thailand gewesen, viermal schon. Ich war einmal da.

MESS: SUMMER IN SIAM?

Sp: Ja. Weißt du, du gehst um die Welt, und du nimmst Sachen auf, Sachen, die von ganz allein in deinem Gehirn hängenbleiben, und sich als Einfluß bemerkbar machen. Ich weiß nicht, wie weit es eine bewußte Sache ist Nach dem Motto, oh ja wir machen jetzt einen Song, der wird wie Thaimusik klingen. Nein, es schleicht in deinem Kopf herum, und irgendwann kommt es raus, und du weißt gar nicht, wo es herkommt.

MESS: Aber euer Fundament bleibt vorlaufig irische Volksmusik ?

Sp : Ja, von da sind wir ausgegangen.

MESS: Siehst du einen internationalen Trend einer Folk-Renaissance?

Sp: Die Leute erkennen jetzt langsam... Die Folkmusic galt lange Zeit als etwas Altmodisches; alte Männer mit Bärten, die dicke Pullover tragen - die Leute haben vergessen, daß dasMusik ist mit Erfahrungen des Lebens, mit emotionalen Werten und starken emotionalen Inhalten, das kann sogar einLiebeslied sein, was heißt sogar, das ist nicht wenig.

MESS: Irish folk scheint aber etwas Besonderes zu sein, in Deutschland ist das ganz anders.

Sp: Das trifft auch auf England zu, eine ursprüngliche folk music ist hier verschwunden, aber in Irland ist es stets eine lebendige, atmende Sache gewesen, die Leute nutzen sie, um auszudrücken, was in ihrem Leben passiert, aber in England... (andererseits) was ist folk music, sieh mal hier mein Public Enemy T-Shirt. ich weiß nicht, vielleicht bin ich auch blöde, aber P. E ist für mich genauso Folk wie die Dubliners oder wir selbst, oder auch die Sex Pistols, in dem Sinn, daß sie auch über ihr Leben singen. Ich mag diese Kategorien nicht, sie führen in die Irre, sie verwirren die Leute, wenn sie hören : Oh, das ist eine Folk-Band, Folk ist das und das, das gefällt mir nicht., wenn das nicht wäre, würden sie erst hinhören und vielleicht entdecken, oh, das ist gut.

MESS: Den Rahmen der folk music im ursprünglichen Sinne sprengt ihr etwas.

Sp: Wir bilden uns unseren eigenen Rahmen, unseren eigenen Sound.Wir hatten nie die Absicht, eine reine Folk-Band zu sein, um beim Wort Folk zu bleiben,o.k.,wir spielen FOLKSONGS, 900 km/h, wie eine Punkband, BÄNG. Prost!

MESS: Es möge nützen (Prosit!). Es gibt jemanden (]."Chaos"G.), der möchte deine Lieblingswhiskeymarke wissen.

Sp: Ich mag eigentlich gar keinen Whiskey so sehr. Wenn es sich nicht vermeiden ließe, dann zöge ich Irischen vor, auch Scotch oder Bourbon. Kennst du Bushmills aus Nordirland, es gibt da einre besondere Sorte, Black Bush, das ist alter ganz alter Whiskey, den mag ich, aber ich für meinen Teil, wenn's ans Trinken geht, greife ich zu Tequila.

MESS: Was haltst du von des Deutschen Lieblingsgetränk?

Sp: Ich trinke tatsachlich nicht viel Bier. Aber doch, deutsches Bier mag ich. Die Deutschen verstehen es, ein Bier zu brauen. Ja und Guinness, aber weißt du, ich lebe in London, und ich trinke niemals Guinness in England, nur, wenn ich in Irland bin. Sie brauen es ordentlich und nehmen sauberes Wasser.

MESS: lhr lebt alle in London, was ist so schlecht an Irland?

Sp: Ich bin Engländer. Nur drei aus der Band sind irisch. Wir haben diesen Ruf eine irische Band zu sein, wegen der Musik, die wir machen, aber wir haben nie versucht, den Leuten weiszumachen, daß wir eine irische Band sind. Aber Irland, das ist ein einziges Problem. Die Wirtschaft ist im Arsch, schon seit Jahren. Die Jüngeren wandern alle aus.Wißt ihr, unter allen Minderheiten in England sind die Iren die mit Abstand größte. Dann kommen erst die Leute aus Westindien, die Pakistanis und die Juden. Vielleicht noch die Juden, weil sie schon so lange da sind, sie sind so integriert wie die Iren. Man erkennt sie meistens nicht mehr. Aber es gibt Bezirke in London, da denkst du, du bist in Dublin. Das ist gut daran, in einem Land zu leben wie England. Wir haben das alles. Ich kann wirklich Faschisten nicht verstehen, beim besten Willen nicht, wenn sie sagen : "Wir wollen die Schwarzen raus, wir, wollen die Pakis raus haben, die Juden raus, die Türken, die Italiener,die Iren." Warum? Warum? Wo willst du dann essen? Wenn du eine Schachtel Zigaretten kaufen willst, und es ist 1 Uhr morgens, wo willst du die kaufen, wenn die Griechen wieder dort sind, wo ihre EItern herkamen. Was wollen diese Leute? Voll-kommen idiotisch. Alle gehen um halb 11 ins Bett, und das war's dann. Langweilige Scheiße.

MESS: Weil wir gerade bei den Problemen sind, wie geht es weiter in Großbritannien nach Maggie?

Sp: Oh. Auf eine Art tut es mir leid, daß sie gegangen ist Weil, wenn sie an der Macht geblieben wäre, hätte Labour bei der nächste Wahl ohne Mühe haushoch gewonnen. Keine Frage. Sie ist unbeliebt überall. Sie ist unbeliebt sogar in ihrer eigenen Partei. Nun ist sie zurückgetreten, und sie haben noch genug Zeit, einen Kandidaten aufzustellen, der annehmbarer ist. Wenn Labour nicht Neuwahlen durchsetzen kann. (Spider klopft dreimal auf denTisch (Holz).) Aber über kurz oder lang wird es wohl zu einer Labour-Regierung in England, äh in Großbritannien kommen. Wenn Schottland entscheiden würde über die Regierung, man hätte nie von einer Margret Tharcher gehört.

MESS: Ist Deutschland noch ein Thema auf der InseI?

Sp: Ja, ein wirklich interessantes.Wie geht das weiter? Vielleicht rede ich jetzt wie ein Arschloch. Ich hab den Eindruck, Ostdeutschland ist als Sonderangebot über den Ladentisch gegangen. Der Westen hat den Osten wirtschaftlich übernommen, und es wird nicht viel Rücksicht darauf genommen, wie die Leute im Osten damit fertig werden. Ich glaube aber, daß es eine gute Sache ist, daß Deutschland wiedervereinigt ist. Durch Gottes Gnade ist es nicht zu einem Krieg gekommen. Die Teilung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg hatte eine Apokalypse auslösen können.Gott sei dank ist es nicht dazu gekommen, aber es hätte kommen können, Es war eine idiotische Sache, eine idiotische Idee, meine ich, Deutschland zu teilen. Deutschland ist nunmal Deutschland und soll es auch sein. Wenn man den Gedanken der Teilung konsequent durchzieht, müßte man das Land nicht in Ost- und Westdeutschland aufteilen, sondern wieder in Preußen, Bayern, Schleswig-Holstein, Sachsen, die Pfalz usw. Wenn man das nicht will, soll man doch gefälligst Deutschland gestatten, Deutschland zu sein und selbst zu bestimmen. Die Deutschen waren 1939 übergeschnappt - wir Briten haben uns jahrhundertelang über die Welt erhoben, haben das Gleiche getan wie der Führer. Wer hat denn das Recht, andere zu verurteilen. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Ich meine, mit der Vereinigung Deutschlands ist die Hauptursache für einen neuen Krieg verschwunden. Ich weiß natürlich nicht, was in der Sowjetunion passieren wird. Das sieht ein bißchen brenzlig aus. Aber die Einheit Deutschlands, das ist schon o.k. Die Ostdeutschen haben dabei natürlich das kürzere Streichholz gezogen. Der Westen mit all seiner Finanzkraft sollte jetzt nicht triumphieren, sondern sein Geld in das ehemalige Ostdeutschland stecken und helfen, daß der Osten wieder auf die Beine kommt, andernfalls kriegst du ein Land ohne gemeinsames Herz, das wäre eine schlimme Diskrepanz. Der Krieg hat viel angerichtet, und das ist noch zu spüren, die Leute Im Osten sind finanziell und wirtschaftlich schlecht dran, da muß was getan werden.

MESS: Ihr füllt immer größere Säle. Bleibt ihr der Sache gewachsen ?

Sp: Wir haben im Wembley Stadion vor 80.000 Leuten gespielt, zusammen mit U2. In Boston vor 10-12.000 Leuten. Kein Problem für uns.

MESS: Habt ihr einen Lieblingsauftrittsort ?

Sp: Mir hat die Atmosphäre heute Abend wirklich gefallen. Ich möchte wirklich nicht sagen, daß irgendwo der besonders gute Platz ist zum Auftreten. Wenn ich es sagen müßte, wenn du eine Maschinenpistole an meine Stirn hieltest, dann würde ich vielleicht sagen Glasgow, zu allererst, Belfast, Detroit

MESS: Detroit?

Sp: Ja, Detroit, ein verdammt gutes Publikum.

MESS: Wie sieht es auf dem europäischen Festland aus?

Sp: la, da gibt es eine Menge guter Plätze. Es ist schwer, einen rauszufischen und zu sagen, da ist es am besten. Bilbao oder San Sebastian vielleicht; Paris ist immer ausgezeichnet Überall in Britannien. Marseilles ist großartig. Köln ist prächtig, Berlin ist prächtig, Hamburg, Mailand ist prächtig. Es wäre ungerecht, einen Ort hervorzuheben.

MESS: Gibt es gar keine Unterschiede im Publikum?

Sp: Mh, ja irgendwie, natürlich, so was wie nationale Eigenheiten. Ein Volk ist mehr zurückhaltend als das andere, von Natur aus. Aber in Europa gibt es nur wenig Unterschiede. Vielleicht in Skandinavien. Die Leute sind dort ausgeflippt

MESS: Im kühlen Norden?

Sp: Na leck mich, warstdu mal in Finnland? Hast du mal gesehen, wie Finnen die Kontrolle über sich verlieren? Bei denen kannst du was erleben. Sie sind verrückt (Handbewegung zum Kopf). Verdammt übergeschnappt Sowas Komisches habe ich noch nie gesehen, sie sind absolut extrem. Ich glaube, nur die Russen sind noch schlimmer. Aber ich bin noch nie in Russland gewesen.Sie sollen dieselben Probleme mit Alkohol haben wie die Finnen. Laßt mich euch mal eine Frage stellen, könnt Ihr die Russen gut leiden?

MESS: Ah, ...

Sp : Ihr habt sie doch im Land, ihr müßt doch Russen als Soldaten getroffen haben.

MESS: Also ich hatte keinen Kontakt, ich hab auch keine getroffen...das ging wohl den meisten Leuten so.

Sp: Kein Kontakt? Seid froh! Ich war in Nicaragua vor vier lahren, um in einem Film mitzumachen. In Nicaragua waren eine Menge Russen, 'ne Menge Kubaner, viele Ostdeutsche, viele Tschechoslowaken, auch viele Amis, um dort zu arbeiten und zu helfen...

MESS: Du meinst sicher Walker?

Sp: Ja Walker. ...man mußte denken, die Nicaraguaner hassen die Amis, das ist absolut nicht wahr, absolut nicht, und mit den Ostdeutschen und den Tschechen gibt es keine Probleme, vielleicht ein bißchen mit den Kubanern, sie sind am zahlreichsten dort vom Ostblock, aber gewiß nicht mit den Ostdeutschen und den Tschechen, aber mit den Russen, ich hab's gesehen, wie die Russen sich dort aufführen, (Handbewegung zum Kopf) arrogant, scheißarrogant, scheiß Arschlöcher.

MESS: Das sind Funktionäre, Privilegierte..,

Sp: Ja, das mag sein, ich muß mir das klarmachen, es sind Apparatschiks... aber... ich kann sie nicht ausstehen ... stell dir vor, du sitzt vor dem Haus, ein schönes Mädchen geht vorbei, du denkst oh, eine toIle Frau ... und der Russe: "Eh, (Handbewegung) komm, du Sau, ficken" ... das ist das Letzte, primitiv, "komm schon na strawudje" und so weiter.

MESS: Gab es jemals Ärger mit dem Publikum?

Sp: Mit dem Publikum? Nein. Nur haben einmal zu Hitlers Geburtstag in Berlin gespielt Das war vielleicht etwas problematisch.Ein paar DUMMKÖPFE riefen "Sieg Heil". Wir spielen seit acht Jahren, und es gab insgesamt nur zweimal Ärger, Im Wembleystadion gab es mal so ein Gedränge, daß beinahe Leute erdrückt worden waren. Und einmal in Irland konnten wir nicht auftreten, weil die Leute im Saal sich gegenseitig die Köpfe einschlugen. Das war in einer irischen Kleinstadt, und die Gang des Nachbarortes war gekommen, um Streit anzufangen. Aber das hatte nichts mit uns zu tun. Wir haben an sehr heißen Orten gespielt: Liverpool, Belfast, im Baskenland; es gab niemals Ärger. Wir sind keine Band, die die Leute zu Prügeleien animiert, wir brauchen uns da keine Sorgen zu machen. Die Leute kommen zu den Pogues, um sich zu amüsieren. Die schlimmsten Football-Hooligans benehmen sich auf einem Pogues-Konzert Und das ist in Ordnung. Ich weiß nicht was sie Sonnabendnachmittag auf dem Fußballplatz machen, aber Sonnabendabend beim Konzert benehmen sie sich korrekt Meine Frau, eine schwarze Amerikanerin, sie war oft vor der Bühne ganz allein im Publikum, überall in England, es gab nie irgend welche Probleme. Den Leuten, die beim Tanzen umfallen, helfen anderen wieder auf und so was. Es regt mich auf, wenn Leute unser Publikum als einen Haufen Wilder beschreiben. Vielleicht sind wir das, aber unser Publikum nicht Das sind nette Leute. Ich mag sie. (Das sollte ich wohl auch. Schließlich zahlen sie meinen Lohn.)

MESS: Spielt ihr noch vor kleinem Publikum?

Sp: Das ist kaum noch machbar. Man müßte verheimlichen, wo wir auftretent sonst würde jeder kleine Klub ja aus den Nähten platzen.

MESS: Wie kommen acht Leute in einer Band zurecht?

Sp: Wenn man vernünftig miteinander redet, wenn man zuhören will, was andere zu sagen haben, ihre Meinung beachtet dann ist es eigentlich kein Problem, wenn man sein Ego nicht übertreibt und bedenkt, daß man sich auch mal irren kann und die anderen recht haben können.

MESS: Gibtes bei euch so was wie ein Konzept oder dominiert das Lustprinzip? Just fun?

Sp: Just fun. Wir wollen die Leute unterhalten. Es gibt keinen speziellen Plan. Wenn man Prince oder Madonna ist, glaube ich, dann hilft es, wenn man ein Bühnenkonzept hat, auf diese Art arbeiten diese Leute, und sie können gar nicht anders. Für uns wäre das idiotisch, Zeitverschwendung, Energievergeudung. MESS: Wie lebt es sich mit dem Erfolg?

Sp: Was für ein Erfolg? Wirklich. Es gibt ein paar Leute, die uns gern hören, aber wir haben nicht verdammt viel Geld. Ich hab 20 Deutsche Mark in derTasche, das ist alles.

MESS: Habt ihr eigentlich auch Probleme mit dem SHOWBIZ?

Sp: Das kommt von ganz allein. Das Musikgeschaft ist ein Halsabschneider Geschäft. Das läßt sich nicht vermeiden, egal, was man von alternativ und independent faselt Das bedeutet gar nichts. Das ist alles nur gequirlte Kacke. Wenn du Erfolg haben willst oder ein größeres Publikum erreichen willst, mußt du irgendwie einen Kompromiß mit der Plattenindustrie eingehen, KEINER ist groß genug, um sich darüber hinwegzusetzen.

MESS: Wie sah dein Leben vor den Pogues aus?

Sp: Ich habe früher Autos verkauft, ich war in einer Punkgruppe, hab blöde, stupide Jobs gemacht, im Supermarkt in Werkstätten,

MESS: Gibt es ein Leben nach den Pogues?

Sp: So Gott will. Ich weiß nicht was die Zukunft bringt Ich treffe die Entscheidungen nicht

MESS: Es steht also in den Sternen?

Sp: Genau!

MESS: Welche Musik hörst du privat?

Sp: Das wechseltvon Zeit zu Zeit Im Moment ist es B.B. King & NWA. Aber es kommt auch vor, daß ich mir die Sex Pistols oder Mozart anhöre. (Oh Scheiße, das klingt so aufgesetzt, könnt ihr das weglassen?) Ich höre mir alles an, was gut ist. Ich kann nicht sagen, daß ich ganz bestimmte Lieblinge habe.

MESS: Es hängt vom Augenblick ab?

Sp: Ja genau, es hängt völlig vom Augenblick ab.

MESS: Schon vor Walker habt ihr in STRAIGHT TO HELL mit Alex Cox gearbeitet

Sp: Der Film war nur ein Vorwand, um sich 4 Wochen in der Spanischen Wüste rumzutreiben und zu versuchen, Grace Jones zu ficken, Ihr könnt das ruhig schreiben, tut mir leid Grace, hast Du gemerkt, was ich die ganze Zeit wollte? Ach, sie ist ein nettes Mädchen.

MESS: Kannst du dir vorstellen, öfter vor der Kamera zu stehen?

Sp: Da mußt du meinen Manager fragen (haha). Es hat mir Spaß gemacht, aber ich weiß nicht, ob ich gut darin bin. Ich war erst in drei Filmen.

MESS: Walker,Straight to hell und Eat the rich.

Sp: Es hat viel Spaß gemacht, aber ich würde nie sagen, daß ich ein guter Schauspieler bin. Es gibt Leute, die sind so von sich überzeugt, daß sie dabei, bleiben, Hast du mal STING oder DAVID BOWIE in einem Film gesehen?! So'n Scheiß.

MESS: Wie ist euer Verhaltnis zu Cox?

Sp: Ich habe den Eindruck, er ist etwas eingeschnappt, weil wir ihn nicht gebeten haben, unsere Videos zu drehen.

MESS: Wie ist die Zusammenarbeit mit Joe Strummer? Er hat eure letzte LP produziert.

Sp: Er hat verdammt gute Arbeit geleistet Joe ist fast so was wie ein neuntes Mitglied der Band. Auf unserer Nordamerikatour hat er Gitarre gespielt

MESS: Wann hat sich das ergeben?

Sp: Beruflich haben wir seit STRAIGHT TO HELL mit ihm zu tun. Von da an hat sich alles entwickelt. Ein paar mal kam er bei Konzerten in England auf die Bühne, und wir haben "London calling" gespielt und."I faught the law", und dann kam die Amerikatour und Philipp wurde krank Da haben wir Joe angeheuert, um Rhythmusgitarre zu spielen. Das war wirklich großartig. Er ist ein Freund. Das kann man sagen.

MESS: Warum habt ihr die Songs von STRAIGHT TO HELL nicht im Repertoire?

Sp: "Rake at the gates of hell' spielen wir oft. Das ist doch auch auf ... oder doch nicht? Das ist eben Filmmusik. Auch die Musik für SlD AND NANCY, die wir gemacht haben, spielen wir nicht im Konzert

MESS: Liege ich richtig, daß euer Name von POGUE MAHONE kommt

Sp: Ja genau.

MESS: Das heißt soviel wie???

Sp : ... genau.

MESS: Habt ihr mal an Songs in gälisch gedacht?

Sp: Wenn es anliegt, machen wir's. Wenn einer findet, daß es eine gute Idee ist, wird's gemacht Aber, wir planen nichts, wie immer. Keiner von uns setzt sich hin und entwickelt eine Strategie.

MESS: Gibt es bei euch jemanden der gälisch spricht?

Sp: Ja, Terry und Philipp können es. Shane meint, er kann's (kichert)... Schneidet das raus! Man lernt das in Irland in der Schule, praktisch wie eine Fremdsprache. Ich kann auch ein bißchen Französisch.

MSS: Wie sieht's mit Deutsch aus?

Sp: Haben Sie Tequila bitte?

MESS: Mehr braucht man nicht

Sp: Wer ist das kleine schwarze Fräulein da?

MESS: Das ist ausreichend. Damit kommt man durch.

Sp: In dem Fall hat's leider nicht gereicht.

MESS: Aha. Bist du eigentlich verheiratet?

Sp: Ich war. 50 australische Dollar vergeudet.

MESS: Da unten hast du es vollzogen?

Sp: Ja (rülps).

MESS: Wo erholst du dich von den Touren? Auf der "grünen Insel"?

Sp: Im letzten Urlaub war ich mit Shane, seiner Freundin und ihrer Schwester in Thailand und verliebte mich in eine thailandische Prostituierte.

MESS: Begleitet sie dich jetzt?

Sp: Nein, sie ist in Thailand. Zwei Tickets konnte ich mir nicht leisten ..Schade. Sie ist so süß.

MESS: Hast du nicht mal an Mexico gedacht, der rechte Ort zum Tequilatrinken?

Sp: Ah, mh...

MESS: Oder Texas?

Sp: Ich war in Texas...Ah, ich glaube, ich werde wieder nach Thailand fahren, Sie ist so süß! Jawohl! Ich mag sie unheimlich, und ich werde jetzt nichts Anzügliches mehr über sie sagen. Ihr Haar ist schwarz wie die FIügel eines Engels in der Mitte der Nacht.

MESS: Was machst du nach/vor/neben den Konzerten?

Sp: Dann fühle ich mich elend und gebe Interviews. Naja, so schlimm ist es auch wieder nicht, wenn nur der Tequila nicht schon wieder alle wäre.

MESS: Was machst du, wenn ihr in Berlin seid?

Sp: Ich pfiege nach Kreuzberg zu gehen, Hausbesetzer zu treffen und hoffnungslos zu versacken....Das letzte Mal habe ich mir in Kreuzberg einen tollen Ledermantel gekauft. Er war fabelhaft. Ich habe ihn geliebt Ich nannte ihn WOLFGANG. Oh Gott, war das peinlich.Vierzehn Tage lang hab ich ihn jeden Tag angehabt, als Shane so nebenbei fragt, ob ich eigentlich meine Knöpfe schon mal angeguckt habe. Ich sagte, was soll damit sein ? Schau hin, sagt er. Oh wie peinlich, auf jedem Knopf war ein kleines verdammtes Hakenkreuz! Oh nein, 2 Wochen bin ich so rumgelaufen!

MESS: Letzte Frage vor Brooklyn. Warum nennt man dich Spider?

Sp: Als ich 12 war, hat mich meine Freundin so getauft, weil ich lange dürre Arme und lange dürre Beine hatte. Sie war ein bösartiges Wesen. Fast so schlimm wie vierzehn Tage mit Hakenkreuzen vorm Bauch rumlaufen.

MESS: Das nächste Mal dann Hammer, Zirkel, Ährenkranz.

Sp: Na Gute Nacht dann.


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